Julia
Abgelegt unter: Dem André ihm seine Kritiken, Filme am 30.06.2008 von André
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„Du bist nichts als eine planlose, selbstmordgefährdete, chaotische Alkoholikerin.“
Oscarpreisträgerin Tilda Swinton in einer bemerkenswerten Charakterstudie über eine 40 jährige Alkoholikerin, die aus Angst, Verzweiflung und Geldnot zu einer kopflosen Gewalttat getrieben wird.
Julia (Tilda Swinton) ist 40, Alkoholikerin und eine notorische Lügnerin. Zwischen Vodkadrinks und One-Night-Stands hält sie sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Als ihre Verwirrung durch den Alkoholismus zunimmt, weist sie sogar ihren letzten Freund Mitch (Saul Rubinek) zurück und kommt mehr und mehr zu der Überzeugung, dass das Leben ihr übel mitgespielt hat und sie selbst nicht verantwortlich ist für ihre missliche Lage. Die Vorahnung des nahenden Elends und die Begegnung mit einer jungen Mexikanerin (Kate Del Castillo) treiben sie zu einem Verbrechen, dessen Ausmaße und Konsequenzen Julia niemals erahnt hätte…(Quelle: Pressetext)
Regisseur Erick Zonca überlässt seinen Film vollständig der Hauptdarstellerin Tilda Swinton, die in einer beeindruckenden One-Woman-Show ihre – für Michael Clayton – erworbene Oscarauszeichnung, erneut unter Beweis stellt. Facettenreich, selbstzerstörerisch und egomanisch portraitiert sie eine einsame, verwirrte und süchtige Frau, die Hals über Kopf in ihr Verderben läuft. Aus einer wahnwitzigen Idee heraus wird sie zum Täter und kidnappt einen 9 jährigen Jungen (Aidan Gould) um Lösegeld zu pressen. Als ihr die Situation immer mehr entrinnt flüchtet sie nach Mexico, wo sie selbst zum Opfer ihres eigenen Spiels wird.
Spannend, tiefgründig, intelligent und stellenweise unglaublich radikal erzählt Zonca den kopflosen Egotrip von Julia, die immer noch einen drauf setzt und den Zuschauer ungläubig die Hände über den Kopf zusammenschlagen lässt, angesichts der unüberlegten Aktionen die sie auf der Leinwand veranstaltet. Dabei lässt einen die Geschichte nicht los – was auch an der Kamera liegt – da diese fast schon dokumentarisch arbeitet – zwar vorhanden ist, aber unauffällig, scheinbar sogar zufällig die Ereignisse festhält. Das sich der Film zur Mitte hin dann doch etwas zieht, liegt an der beachtlichen Spieldauer von 140Min. dafür entschädigt aber Swintons großartige Performance und zum Ende hin wird das Drama sogar so spannend, dass man es teilweise schon als Thriller bezeichnen könnte.
Kurz um, ein herausragend gespieltes Drama, dass zwar ausdauernd anmutet aber mit vielen Thriller-Elementen daherkommt und mit mehreren kleinen emotionalen sowie fast schon unerträglich spannenden Momenten bestück ist, sehr sehenswert.
Autor: André







