

Inhalt: Mit halsbrecherischem Tempo fegt er über die Piste, trickst die Konkurrenten aus, prescht vorbei und lässt sie Staub schlucken – Speed Racer (Emile Hirsch) ist der geborene Rennfahrer: Aggressiv vertraut er nur seinen Instinkten – vor allem kennt er keine Angst. Und er muss keinen Rivalen fürchten – mit einer Ausnahme: seinen Bruder, den legendären Rex Racer. Rex starb im Rennwagen – sein Vermächtnis ist das Vorbild, mit dem Speed sich messen muss.
Als mustergültiger Junior hält Speed treu zu dem Rennstall, den sein Vater Pops Racer (John Goodman) als Familienunternehmen leitet. Für Speed hat Pops den Boliden Mach 5 entwickelt. Als Speed ein sehr lukratives Angebot von Royalton Industries ausschlägt, bringt er nicht nur den cholerischen Firmenchef (Roger Allam) gegen sich auf, sondern entdeckt dabei auch ein spektakuläres Geheimnis: Bei den wichtigsten Rennen wird der Sieg von einer Hand voll skrupelloser Industrieller vorab ausgehandelt.
Nach ihrer Pfeife tanzen die Spitzenfahrer, um so die Profite zu maximieren. Falls Speed nicht zu Royalton wechselt, wird der dafür sorgen, dass der Mach 5 die Ziellinie nie mehr erreicht. (Pressetext: Warner)
Kritik: “W-T-F!? W-T-F in einen Granitblock für die Ewigkeit eingemeißelt!”. Das waren meine ersten Gedanken als ich den Trailer zu “Speed Racer” das erste mal erblickte. Meine Iris wurde binnen Sekunden meilenweit geweitet, bombadiert mit Pastellfarben, den blubbernden Freudengeräuschen eines albernen Affen und dem rasanten Hin- und Hergecutte zwischen futuristischen Rennboliden die sich gegenseitig von der Strecke stupsen, so das es nicht mehr schön war sondern vielmehr in meinem Hirn allmählich anfing zu schmerzen.
Alles, und damit meine ich wirklich jede einzelne verdammte Sekunde des Trailers, wirkte einfach so abartig unnormal, Krank und psychedelisch, so vollkommen jeder Regel wiedersprechend und einfach sowas von dermaßen auf “Dieses Teil wird 100% Trash und garantiert SO-WAS von floppen” ausgelegt… DAS musste ich mir einfach im Kino anschauen! Insbesondere wegen meiner perönlichen Neigung zu den beiden folgenden Personen:
Larry und Andy Wachowski! Zu zeiten des ersten “Matrix”-Films meine einzigen Götter, nach deren Vortsetzungen die Ausgeburt des personifizierten Bösen, direct from the Hell. Selten haben Menschen es geschafft in binnen so kurzer Zeit soviel Antisympathie in mir zu erzeugen, wie diese beiden Herren mit ihren “Matrix: Reloaded” und dem darauf folgendem “Matrix: Revolutions”. Und als ich den Trailer zu “Speed Racer” das erste Mal erblickte stellte sich mir auch gleichzeitig die unweigerliche Frage, warum gerade eben diese beiden Herren, die nach einem so großem kommerziellen Erfolg wie dem ihrer Matrix-Triologie, nachdem eben diesen beiden Herren auch damit nun sämtliche Türen in Hollywood offen standen, etwas DER-ARTIG abartige Dummes produzieren wie eben genannten “Speed Racer”?
Sind die beiden nun völlig durchgedreht? Haben Sie den Bezug zur Realität einfach gänzlich verloren? Vielleicht waren die hormonellen Eingriffe von Larry bzw. nun ja “Lana” Wachowski ja irgendein Zeichen dafür? Wer weiß…
Fakt ist jedoch: Ich erwartete von “Speed Racer” einiges, nur eben nicht, dass es ein guter Film wird! Ich erwartete von “Speed Racer” eigentlich sogar genau das, was der Trailer mich nunmal auch vermuten ließ! Ein wirres und zusammenhangsloses Farbspektakel ohne jeglichen Sinn und Verstand mit flachen Gags und psychedelischen Set-Up. Vielleicht noch hier und da ein kleines fettes Kind was mit nem verkleideten Affen einfach mal lauthals “Wohooo” herausbrüllt oder die rausgestreckte Zunge in die Kamera reinhält…
Doch, “Speed Racer”, weiß sogar zu überraschen! Und das sage ich jetzt hier nicht nur weil es sowieso ein garantierter kommerzieller Flop sowohl in den USA als auch in Europa wird, oder mir ein Mitarbeiter von Warner Bros. vielleicht gerade genau in diesem Moment eine geladenen Pistole an die Schläfe hält, sondern weil es sogar irritierenderweise auch noch stimmt.
Klar ist “Speed Racer” kein Meilenstein und auch kein Film den man unbedingt gesehen haben sollte, aber er weiß zumindest zu unterhalten, und das nicht nur allein aufgrund seiner Optik oder seines streckenweise recht debilen und kindischen Humors. Und natürlich ist “Speed Racer” auch durch und durch Kitsch, Overdressed und Klischeebeladen, und natürlich sind die Figuren realtiv simpel und die Handlung mehr als vorraussehbar, aber denoch gibt es einiges an “Speed Racer” weshalb es sich lohnen würde, ihn sich anzuschauen.
“Speed Racer” ist zunächst einmal wirklich hervorragend technisch umgesetzt und selbst ein geschultes Auge erkennt in den knapp 130 Minuten Film, keinen einzigen CG-Fehler. Die Schnitte, Bewegungen und Animationen laufen zu 99,99% rund und flüssig ineinander ein, so dass man nicht ständig aus dem Geschehen geworfen wird, bloss weil die Beleuchtung in der Blue-Screen miserabel war oder der Animator mit der Maus verrutscht ist.
Obendrein kann der Film, obwohl man ihn fast durchgängig die Auslegung auf eine kindlichen Zielgruppen alá “Cartoon Network” oder “Nickelodeon” anmerkt, sogar storytechnisch die etwas reiferen Kinogänger unterhalten. Verständlich muss dabei allerdings bleiben, dass dies vielmehr auf emotianalem Wege versucht wird, als durch z.B. aufwändig tiefgängige, oder gar komplexe Charaktere. Die Figuren mögen zwar alle auf Reißbrettniveau gezeichnet sein, vermögen es allerdings dennoch, zumindest dank der starken Schauspieler dahinter (John Goodman, Susan Sarandon), einige tiefere Momente auf der Leinwand zu erzeugen.
Wenn wir etwa z.B. die Streitigkeiten zwischen Rex Racer und seinem Vater beobachten dürfen, wird dies sogar wirklich einfühlsam den Zuschauer nähergebracht. Das sind die wirklich gelungenen Momente in “Speed Racer”, neben den einfach achterbahnartigen Sequenzen in den unterschiedlichen Rennen, welche auf reiner Effektbasis das Hirn des vor allem jüngeren Zuschauers stimulieren sollen.
Für mich ist “Speed Racer” eine Art “Mini-Blockbuster”, welcher wohl auch einfach versucht, alle Zielgruppen gleichzeitig zu begeistert und schlichtweg durchtränkt ist mit Ideen und Kreativität. Und hierbei liegen auch schon seine wirklichen Schwachpunkte, und nicht wie von mir zunächst vermutet in der eigentlichen Story.
Ein gewaltiges Manko des Film, aber auch gleichzeitig wohl eines seiner größten Vorteile, ist, dass Larry und Andy Wachowski sich anscheinend sehr wohl um die Belanglosigkeit der Geschichte bewusst waren, somit zwar auch erst garnicht versuchten den Film auch nur anähernd ernster als nötig zu zeichnen, jedoch aber auch damit gleichzeitig etliches an hervorragender Intensität des Stoffes selbst vernichteten.
Durch den Versuch alle Altersgruppen zufrieden zu stellen werden einige wirklich gute und intensive Momente des Films schlichtweg versaut. Denn praktisch immer wenn man mal wieder wirklich die Characktere hervorheben will, ihnen Ernsthaftigkeit und Leben schenken will, taucht urplötzlich und aus dem Nichts heraus, dieses dämliche fette Kind mit seinem Affen auf und ruiniert erneut das Feeling der kompletten Szene.
Hey Larry/Lana und Andy: Klar müssen die Kids im Publikum auch unterhalten werden, aber biete verschiebt das doch in anderen Szenen, wie z.B. die der Autorennen, und lasst die wenigen intensiven Momente einfach unberührt. Für die Kids ist doch sowieso schon genügend Material vorhanden, da kann man den Erwachsenen doch auch mal ein wenig etwas bieten, ohne gleich Angst zu haben, das die 6-Jährigen im Saal einschlafen. Denn die, sind sowieso nach den Rennszenen erstaml für 3 Wochen komplett geflasht und hellwach…
Denn das zweite große Manko des Films ist einfach die schiere Überflutung durch Kreativität, welche geballt und gestaucht versucht wird komplett in die 130 Minuten hineinzuquetschen. Die Rennszenen sind wirklich genau jenes versprochene Abenteuer, eben jene im Trailer gezeigte Achterbahn- und Kirmesfahrt: Rasant, farbenfroh und erfrischend surreal inszeniert, doch auch einfach durch die schnelle Inszenierung, den rasanten Schnitt und die geballte Kreativität im Ablauf des einzelnen Rennens schlichtweg zu viel Input auf einmal für das menschliche Hirn.
Man muss sich wirklich anstrengen um alles mitverfolgen zu können, was dort gerade vor einem auf der Leinwand geschieht! Und dadurch dass die einzelnen Rennsequenzen auch noch so lang sind, aber die Story eben auch noch erzählt werden will, bietet man den Zuschauer praktisch im gesamten Film kaum Ruhepausen, in denen man das Gesehene sacken lassen könnte. Dies ist äußerst strapazierend und fordernd den Zuschschauer ungemein. Dabei hätte man es so einfach und um so viel besser lösen können, durch z.B. einfach kürzere Rennszenen und/oder weniger direct-storytelling in den Dialogen, dafür sogar auch gleichzeitig tieferen Chackteren.
Man sollte sich, bevor man sich “Speed Racer” komplett anschaut, unbedingt den Trailer zu Herzen nehmen, denn zwar bietet der Film einiges mehr als dort gezeigt, aber dennoch offenbart der kurze Clip die Ausgangsbasis äußerst deutlich. Sollte man sich dabei als Zuschauer allerdings eben nicht mit einer solch einfachen, straff erzählten und farbenfrohen Erzählart anfreunden können, und eben auch nicht mit der Tatsache einfach einen Film zu Gesicht zu bekommen, wo nunmal eher das Motto “Hirn Raus! Film Rein!” gefragt ist als irgendwas in Richtung “Oscar-Verdächtig”, so würde ich demjenigen abraten. Für alle anderen, die einfach nur mal wieder ein wenig Unterhaltung mit einigen netten Ideen dabei gebrauchen können ohne viel Tiefgang, denen sei dieser Film allemal gegönnt.
Fazit: “Speed Racer” ist wirklich genau das was der Titel verspricht! Ein Film wie geschaffen für die heutige YouTube-Generation und vollends auf… nunja eben “Speed” getrimmt. Er bietet viele interessante optische Ideen und Umsetzungen, einige wirklich nette emotionale Szenen und vor allem ein hohes Maß an Unterhaltung. Zwar muss man ihn nicht zwingend gesehen haben, aber wenn man dies dennoch will, so bitteschön noch unbedingt im Kino, da nur auf der großen Leinwand überhaupt erst das Geschehen richtig mitverfolgt werden und sich der psychedelische visuelle Stil entfalten kann.
Autor: Sven