

Inhalt: Die Handlung spielt im London des 19. Jahrhunderts: Barbier Benjamin Barker (Johnny Depp), glücklich verheiratet, ein Kind, gerät in die Mühlen der Gesetzlosigkeit. Richter Turpin (Alan Rickman) interessiert sich für Barkers hübsche Frau (Laura Michelle Kelly) und findet Wege, den Barbier in der australischen Verbannung verschwinden zu lassen. Als Barker fünfzehn Jahre später unter dem Namen Sweeney Todd wieder am Schauplatz seiner privaten Tragödie auftaucht, hält er seine Frau für tot; seine herangewachsene Tochter (Jayne Wisener) ist inzwischen das Mündel seines Todfeindes Turpin. Sweeney Todd beginnt einen Rachefeldzug sondergleichen, assistiert von einer neuen Frau in seinem Leben, Mrs. Lovett (Helena Bonham Carter), deren Pastetenbäckerei einen ungeheuren Aufschwung nimmt, seit sie sich mit Todd zusammen getan hat… (Pressetext: Warner)
Kritik: Tim Burton schuf mit seinem “Sweeney Todd: The Demon Barber of Fleet Street” (Im folgenden nur noch “Sweeney Todd”), zusammen mit Johnny Depp und Helena Bonham Carter in den Hauptrollen, den nun mittlerweile fünften filmischen Aufguss der gleichnamigen britischen Horror-Saga von 1846, welche auch ebenfalls schon ganze 3 mal für die Theaterbühne adaptiert wurde. Basierend auf Stephen Sondheims Broadway-Musical “Sweeney Todd” von 1979, kreierte Burton dabei zusammen mit Sondheim, ein rund 120 Minuten langes, moralisch doch eher fragwürdiges und geradezu kafkaeskes Splatter-Märchenepos, welches zwar durch-und-durch ein typischer Tim Burton ist, jeddoch trotzdem irgendwie als solcher nicht recht zünden mag.
Und eigentlich mag ich ja Tim Burton! Und eigentlich habe ich mich ja auch wirklich auf diesen Film gefreut! Jeddoch glaube ich auch das Burtons Zenit mittlerweile erreicht scheint. Spätestens ist dies der Fall mit “Sweeney Todd”, aber vielleicht war er es ja schon mit “Charlie und die Schokoladenfabrik”, der mir ebenfalls nicht mehr so richtig zusagen mochte. Und möglicher weise, ist an dieser Tatsache auch das lämmerlich grausig schlechte “Planet of the Apes”-Remake von 2001 mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle, daran schuld, welches wohl Tim Burton irgendwie, wie auch immer, als “gute Idee” aufgeschwatzt wurde. Vielleicht ist er ja seit diesem Rohrkrepierer nicht mehr ganz der Alte? Wer weiß….
Alle seine anderen Werke wie “Edward Scissorhands”, “Big Fish”, “Beetle Juice”, “The Nightmare Before Christmas” aber auch z.B. die einzig waren “Batman”-Teile, eben jene mit Tim Burton als Regiesseur, sprühen schlicht nur so vor Charme, Skurrilität und der Liebe zum Surrealen, zum Fantastischen und Düsteren. Ja sogar “Mars Attacks”, der mässige “Corpse Bride” (Welcher zwar nett, aber auch nicht wirklich mehr war) und auch der damals schon etwas lahmende “Sleepy Hollow” hatten einfach immer noch etwas, wofür es sich lohnte. “Big Fish” gehört sogar zu meinen persönlichen Top-10 Filmen!
Aber: Tim Burton war einfach auch schon immer ein Regiesseur der nicht ohne seine Bilder auskam, nicht ohne sie leben konnte. Er war nie wirklich ein großer Charackterenregiesseur, sondern er ist Geschichtenerzähler mit einem aussergewöhnlichen Sinn für die Verpackung! Seine Filme glänzen durch die Optik jener Geschichten, ihren jeweiligen surrealen Welten in denen sie spielen, aber niemals ernsthaft durch irgendwelche “starken” oder gar wirklich tiefergehenden Figuren! Natürlich gelang ihm dies auch hier und dort einmal (“Big Fish”, “Edward Scissorhands”), aber überwiegend wird man bei einem Burton-Film eher von den düstere Szenarien, dem skurrilen, oftmals makaberen Humor oder den schrill grellbunten Elementen in den Film hineingesogen, anstelle von den Charakteren oder der eigentlichen Geschichte.
Dies ist keineswegs negativ von mir gemeint, den solange die Rechnung dabei aufgeht und man sich in einer solchen Welt wohl fühlt als Zuschauer, sich zumindest in Sie hineinfühlen kann, den Film dabei dann aber auch mehr als “Reise” betrachtet anstelle eines “Gespräches”, so kann auch ein solcher Film wirklich einiges bieten. Man nehme hierbei z.B. “Sin City” von Rodriquez, der ebenfalls eigentlich nur durch seine ungewohnte Optik bestehen kann und erst gar nicht versucht eine wirklich tiefergehende Story zu bieten. Oder aber auch Rober Wienes “Das Cabinet des Dr. Caligari” von 1920, von dem man auch öfters behauptet, das dieser, eine von Tim Burtons hauptsächlichen Inspirationsquellen bei seinen eigenen Werken gewesen sei. Allerdings war “Das Cabinet des Dr. Caligari” auch “Story”-Technisch, insofern man dies wirklich bei einem Stummfilm sagen kann, seiner Zeit weit vorraus, aber lassen wir das.
Wie dem auch sei, “Sweeney Todd” wirkt im Vergleich zu den oben genannten Filmen schlichtweg kalt und lieblos, bietet auch einfach nichts wirklich neues mehr. Die bisher bewährte und typische Burton-Surrealitätswelt hat sich nunmal einfach mit den Jahren irgendwie abgenutzt. Man erkennt die typischen Szenarien aus seinen alten Filmen wieder, welche sich hier nur wieder einmal selbst kopieren. Man kennt auch einfach die typischen schiefen und verwinkelten Häuser in den engen und dunklen Gassen bereits zur Genüge. Die typischen skurrilen Characktere ebenso, das oftmals harte Spiel mit Farben oder eben einfachen schwarz/weißen Licht und Schatten und allgemein halt die typische Burton-Welt! Und somit kennt man eigentlich auch schon alles, was einen Burton ausmacht.
Das wirklich schlimme dabei ist sogar noch nicht einmal das man all dass als Zuschauer schon kennt, es vielleicht schon zu oft gesehen haben mag, sondern das Burton selbst, seinen einst so innovativen Stil mittlerweile anscheinend zur Standartkost verkommen lässt. Irgendwie fehlt mittlerweile auch in allem ein wenig die Liebe, mit der seine früheren Werke gestaltet wurden, und irgendwie ist alles mittlerweile sehr selbstzweckhaft geworden. Nur noch zu einer Art “Ja, das ist ein Tim Burton Film!”-Siegel verkommen.
Ich meine, man muss sich doch auch mal irgendwann und irgendwie mal weiterentwickeln können, kann doch nicht jahrelang nur immer weiter auf dem beharren, was einem vielleicht mal irgendwann einzigartig gemacht hat, vielleicht mal irgendwann innovativ und neu war, mittlerweile aber einfach auch seinen Reiz verloren hat! Zumindest gilt dies für all die normalen Zuschauer und nicht die “Hardcorde” Tim Burton Fans, welche sich warscheinlich auch noch sein drölfzigstes Werk, allein wegen seines Namens anschauen werden. Und selbst wenn man nur solche Hardcore-Fans zufrieden stellen will, sollte man es dann doch noch mit Liebe tuen! Ganz besonders eigentlich auch dann, weil solche Fans nicht nur einfach schlechte Kopien zu sehen bekommen wollen! Wenn man schon nichts neuen wagen will, so sollte man doch selbst noch mit Liebe an sein eigenes Werk heran gehen!
Quentin Tarantino, welcher natürlich auch hauptsächlich nur für seinen eigenen und untypischen Stil bekannt ist, welcher auch in all seinen Filmen weiterhin auftaucht, hat sich trotzdem irgendwie mit den Jahren, mit seinen Filmen stets weiterentwickelt. David Lynch und Hitchcock, anno dazumal, ebenso, also warum nicht auch ein Tim Burton?
Soviel zum eigentlichen Stil des Films, was natürlich auch zugegebener Maßen, doch auch eher persönlicher Geschmack sein kann. Weiter zu dem eigentlichen Hauptschwerpunkt und somit dem, was dem Film auch schlußendlich sein Genick bricht: Die Characktere und die Geschichte an sich!
Ich denke das auch gerade aufgrund dessen, dass man nun mittlerweile die Burtonoeske Welt einfach schon so gut kennt, man sich als Zuschauer wesentlich stärker auf die Story verlässt, welche aber leider nunmal, wie bei vielen anderen Burton-Filmen auch, selbstständig nicht, denn dann ja ohne Bilder und somit komplett allein stehend, stark genug fürs Kino ist. Burtons Filme sind allesamt Märchen und Gruselgeschichten die, wenn sie nunmal alleine und wirklich nur für sich selbst stehen, doch sehr vorrausschaubar und oberflächlich sind! Ihre Stärke liegt immer im Fabelhaften, nicht in ihrer eigentlichen Handlung! Nimmt man ihnen das weg, bleibt leider nicht viel…
Zudem, dass die Story schlicht plumb und vorrausschaubar ist, gesellt sich noch hinzu, dass sie eine äußerst fragwürdige Moral beinhalted. Sweeney Todd hat seine Frau verloren, sein Kind und sein behütetes Leben und sinnt sich nun nach Rache. Soweit, so Cool. “Kill Bill” ist ein Meisterwerk und Uma schnetzelt sich bravorös durch ihre Gegner bis sie schlußendlich auf ihr eigentliches Ziel, Bill stößt und sie ihr Werk vollendet. Finde ich persönlich, für die Handlung eines Filmes wohlgemerkt, ja auch alles total Super! Aber Sweeney hingegen tötet schlicht jeden und alles, hat gehn Mitte des Films sein eigentliches Ziel, die Rache an Turpin, längst aus den Augen verloren, killt sich nur noch, dabei mehr oder minder entusiastisch engagiert, durch die halbe Weltgeschichte aus puren und ganz allgemeinem Hass an der Menschheit.
Mrs. Lovett unterstützt in dabei und erfreut sich sogar an den stätig wachsenden Leichenberg, da sie ja daraus leckere Fleischpasteten zaubern kann, welche sie dann in ihrem “Meat Pie”-Geschäft äußerst erfolgreich verkauft. Die beiden Characktere haben dabei längst jeglichen Bezug zur Realität verloren, sind schon lange ihren eigenem Wahn verfallen und der eigentlich zielstrebige, im Gefühl des Zuschauers auch am Anfang auf Akzeptanz stoßende, da zumindest verständliche und vielleicht sogar vom Gefühl her gerechtfertigte Rachefeldzug an Turpin, artet in einem Leichenfließband voller Unschuldiger aus, welches nichts mehr mit “Vengeance” oder auch nur “Selbstjutiz” zu tuen hat.
Es herrscht schlicht kein Falsch mehr in Sweeney Todds Welt, sondern alles ist legitim geworden! Sogar eine Verschonungsszene, wo der Barbier mal Ausnahmsweise einen seiner Kunden nicht zu “scharf rasiert”, da dieser zufällig mit Frau & Kind anwesend ist, geht nicht in ihrer Rechnung auf, erzeugt einfach kein Verständniss für Sweeneys Handeln beim Zuschauer, da es ja nicht zwangsläufig heißen muss dass alle anderen Kunden gegenteilig keine Familien hätten, sondern sie vielleicht einfach nur nicht anwesend waren.
In all diesen Tötungsdelikten wird ein Bild vom Barbier und Mrs. Lovett erzeugt, mit dem sich der Zuschauer einfach nicht mehr identifizieren will, es auch gar nicht kann, weshalb man selbst nicht mehr mitfühlen und mitleiden kann, sondern sogar nur noch Sweeney selbst verabscheut. Während des ganzen Films wird hierbei auf eine Stellungsnahme oder gar Rechtfertigung zum Thema Tötung komplett verzichtet, sie wird aber trotzdem weiterhin andauernd vollzogen. Und dass obwohl der Film Sweeney sogar noch die Chance auf Erkenntnis gibt, er diese auch erblickt aber dennoch nicht ergreift, da er selbst danach noch immer wietermordet.
[Achtung: SPOILER in den ächsten 5 Absätzen!]
Dabei ist es natürlich dann verständlich das wir mit Sweeney nicht wirklich mitfühlen wollen, wenn er zum Schluß bemerkt das er sogar seine eigene Frau (!) selbst getötet hat. Diesen Fehler zu erkennen wäre nun auch gleicchzeitig seine Chance gewesen, auch eventuell einzusehen das die viele Morde nicht gerechtfertigt waren. Aber nein, der Film gibt ihm hierbei keine Chance und es muss auch noch Mrs. Lovett drann glauben! Ganz zum Schluß sogar auch Sweeney selbst, da ihm mit seinem eigenem Rasiermesser die Kehle aufgeschlitzt wurde, durch einen kleinen Jungen welchen Mrs. Lovett einst bei sich aufnahm und der ihr versprach ihr niemals Leid zukommen zu lassen, sie zu beschützen.
Und selbst dies ist moralisch äußerst fragwürdig, wenn auch im ersten Augenblick legitim erscheinend, da es ja auch gleichzeitig hieße, das der Junge trotzdem noch Mrs. Lovett beschützen wolle, obwohl er von den ganz speziellen Fleischpastetenfüllungen wusste! Oder anders formuliert: Obwohl er wusste das Sie Leichen zerstückelt und zu Fleischpastete verarbeitet, also Mrs. Lovett im Endeffekt nicht besser ist als Sweeney der Mörder, will der Junge Sie beschützen, aber gleichzeitig auch Sweeney töten! Also irgendwas scheint nicht mir nicht ganz normal im Kopf des Jungen, was seine Denkensweise und so Stuff angeht.
Und eben aufgrund dieser durchweg moralisch fragwürdigen Characktere versagt natürlich auch das Schlussbild des Films, welches zweifelsohne darauf ausgelegt war, Mitleid beim Zuschauer für Sweeney selbst zu erwecken, was natürlich, wegen besagter nicht vorhandener Moral, einfach nicht klappen kann. Das letzte Bild ist übrigens der einzig wirklich halbwegs charmante Shot, welcher wohl auch wirklich prima funktioniert hätte, wären die Characktere auch nur mit ein Schlückchen mehr Tiefgang, noch nicht einmal unbedingt mit mehr Moral und Anstand, gefüllt worden. Vielleicht wollte es uns Burton ja auch als Tragik an sich verkaufen, aber meines Erachtens nach ist er damit gründlich auf die Fresse gefallen.
Überdies hinaus beinhaltet der Film eine komplett sich im Sande verlaufende Sidestory, welche rückblickend auch schlicht unnütz ist, einfach gar nichts nichts zu den Film beiträgt, ja sogar aufgrund der fehlenden Auflösung noch nichtmal für sich selbst wirklich bestehen könnte. Es handelt sich dabei um die Liebesgeschichte zwischen Johanna und Anthony (Jamie Campbell Bower). Ich meine: Wozu? Was hat uns diese B-Story bitteschön gebracht? Und selbst wenn sie nur als SIDE-Story, also als Auffüllung des ganzen, aber nicht als Erweiterung gedacht war, warum wird sie dann bitteschön nicht aufgelöst sondern allein und komplett offenstehend zurückgelassen? Bis auf eine einzige zwei Szenen ist der komplette Charackter von Anthony nutzlos! Und selbst in diesen einen Szene zwei Szenen wirkt er nur als billige Ausrede!
Zunächst wäre hier das plötzliche Auftreten von Anthony zu nennen, welches Sweeney beim ersten mal daran hindert den Richter Turpin umzubringen. Zum Zweiten sei hier das kurze Aufeinandertreffen von Richter Turpin und Anthony vor Turpins Haus genannt, welches allerdings Burton dazu gedient haben könnte um Rickmans Rolle als sich sorgender Vater zu vertiefen. Aber für diese beiden Szenen, welche auch ganz einfach hätten abgeändert bzw. verlegt werden können, wirklich eine komplette SideLoveStory? Und nun alle zusammen einmal ganz laut und im Chor: WTF? Und es kann doch auch nicht sein das man so etwas, nur reinschreibt um noch schnell ein paar neuen Gesichtern die Chance auf eine Rolle anzubieten? Insbesondere weil diese ja sowieso bei einem solchen Staraufgebot untergehen. Ich verstehe es wirklich nicht…
[SPOILER: Ende]
Und nun zum Tüpfelchen auf dem i! Schauspielerisch ist sogar ebensowenig zu erwarten wie von der Geschichte selbst! Johnny Depp spielt auf kompletter Sparflamme und auch Helena Bonham Carter sticht lediglich durch ein paar wenige, dafür aber dann wirklich nette, Gags hervor! Aber das war es dann auch schon, zumindest von der Hauptrollenseite. Die beiden können wesentlich mehr und haben dies sogar auch schon des öfteren unter Beweis gestellt. Vermutlich mag dies aber auch daran liegen das die gesungenen Dialoge nicht soviel Characterbuilding ermöglichen. Depp allerdings zieht defintiv eine der miesesten Karten, da er den Hauptteil des Filmes nur einen Gesichtsausdruck parat hat, nämlich “Ich will Rache und hasse alle Menschen”. Carter weiß wenigstens noch durch ihre “Crazyness” teilweise zu unterhalten. Mir hätte bei ihrer Auslegung der Rolle noch eine Szene im Fleischpastetenkeller gefehlt, welche Sie bei der Zuberreitung zeigt.
Alan Rickman kommt sogar, witzigerweise ja als eigentlicher Bösewicht der Geschichte angesetzt, im Endeffekt symphatischer davon als Depp oder Carter mit ihren Rollen. Im wurde auch überraschenderweise am meisten Dialog zuteil, wo er sich und seinen Charackter wirklich vertiefen kann, mögliche Ursachen und Beweggründe für seine Figur auflisten kann. Selbstverständlich ist auch Turpin kein Unschuldsengel, aber da wir auch nicht ihm, sondern eben Depp die ganze Zeit beim sinnfreiem Töten zuschauen dürfen, kommt er allein schon deswegen posistiver aus der Affäre als seine oben genannten Schauspielkollegen. Ihm sieht man, neben der Carter, auch am meisten an wieviel Spaß er an der Rolle gehabt haben muss und er erfüllt sie auch zumindest mit solider, wenn auch nur durchschnittlicher, Handwerkskunst.
Kamera- bzw. Schnitt- und Szenentechnisch, hat sich Burton mit den Jahren, natürlich auch aus Kostengründen, immer mehr den CGI-Möglichkeiten zugewandt. Kann nicht gerade behaupten das mir dass persönlich super gefallen würde, aber verstehen kann ich es. Wer einfach derartige Welten auf die Leinwand zaubern will und die Wahl hat, wird früher oder später auch einfach auf den Rechner zurückgreifen müssen, allein weil die Produzenten sonst auf die Barikaden springen würden!
Allerdings hätte man sich auch so einiges bei “Sweeney Todd” wirklich ersparen können, an versofteten und kalt lieblosen Computerbildern, wie z.B. die Opening Credits oder aber die teilweise nur selbstzweckhaften Kamerafahrten durch das düstere London. Ich meine was soll eine lieblos dahingekotze CGI-Kamerafahrt, welche man schon bei den Oscar-Opening-Film von 2006 besser gesehen hat und der man auch in jeder Sekunde ihre Herkunft aus dem Rechner anmerkt, wenn sie doch sowieso keinen geschichtlichen Sinn hat? WTF, die Zweite!
Von dem Score bzw. Musicaleinlagen kann man halten was man will. Bis auf zwei stimmige Szenen, welche auch wohl schon aus dem Trailer bekannt sein dürften, ging für mich das Konzept aber nicht auf. Wie gesagt habe ich persönlich auch das Gefühl, man hätte ruhig noch mehr Dialoge, zum Charackteraufbau mit einbinden können. Und jetzt bitte nicht denken ich habe den Film nur schlecht gefunden weil ich die Musicaleinlagen nicht toll fand oder diese gar evtl. nicht verstanden hätte. Ich wollte dem Film ja nichts böses, ich habe mich versucht auf ihn einzulassen, ich wollte ihn ja sogar aufgrund seiner ungewohnten Musicalerzählweise gut finden, doch die Fehler lagen nunmal ganz woanders. Es tut mir richtig Leid um “Sweeney Todd”, denn der Trailer und die ungewohnte Erzählweise versprachen ja so einiges. Auch die Geschichte hätte sicher viel mehr hergegeben können, wenn man sie nicht so erzählt hätte wie man sie hier nunmal erzählt hat.
Fazit: “Sweeney Todd” ist schlecht! Einfach richtig, richtig schlecht! Nicht so schlecht wie ein “Silent Hill” vielleicht, aber er ist trotzdem richtig schlecht! Er hätte so viel sein können, scheiterte aber letztlich an einer von anscheinend allen Beteiligten lieblosen Herangehensweise und einer moralisch äußerst fragwürdigen Umsetzung.
Es handelt sich ja bei “Sweeney Todd” nicht um eine Gechichte nach waren Begebenheiten, welche man nicht mal eben einfach zugunsten seines Helden kurz hätte verändern können, sondern um ein wages Märchen, schlimmstenfalls um ein Broadway-Musical, welches man auch getrost hätte umschreiben können, wenn dies der, dann zwar eigenständigen aber dafür filmisch vielleicht annehmbareren, Umsetzung zugute gekommen wäre.
Eine Figur wie eben Sweeney Todd muss einfach Identifikationsfläche bieten, darf nicht als sinn- und moralfrei handelndes Monster dargestellt werden, welches dann sogar noch brutaler wirkt als sein eigentliches Racheopfer! Verdammt, sogar “Rambo IV”, nein sogar “Rambo II” und “Rambo III” hatten handwerklich bessere und moralisch zumindest vertretbarere Ansätze als dieser Schund!
Es geht hierbei zwar um eine Rachegeschichte, welche ja per se auf moralisch sowieso schonmal fragwürdige Selbstjustiz setzt und obendrein bei “Sweeney Todd” noch mit makaberen Beigeschmack gefüttert ist, aber muss man die Figuren dabei wirklich derart in die Scheiße reiten, dass kein Arsch sie überhaupt mehr mag? Vorallem nicht wenn man auf ein starkes Ende setzt, Emotionen erzeugen will, Mitleid für seine Figur, so wie es Tim Burton bei Sweeney ja tuet!
Das ein so starker Regiesseur wie eben Burton derartig versagt, das man als Zuschauer seine Figuren derart verabscheut bzw. Sie einem schlichtweg egal sind, bleibt mir unbegreiflich. Ich meine da müssen doch Menschen vor Ort gewesen sein, die irgendwann mal gesagt haben müssen: “Hey wäre da nicht ne andere Lösung besser?”. Ich verstehe das wirklich nicht! Und warum Johnny Depp gerade für diese Rolle mit dem Grammy ausgezeichnet wurde und sogar für den Oscar nominiert, verstehe ich dabei sogar noch weniger. Es kann doch nicht allein von der, vielleicht etwas andersartigen aber trotzdem altbackenen, Idee eines Musicalfilms herrühren, das alle davon so begeistert sind. Ich meine da muss man doch auch ehrlich mal nach dem was von der Rolle, oder gar den Film allgemein, so an Message rüberkommt sprechen. Und das war leider zu wenig, zu kalt und zu oberflächlich.
Und wenn jemand, der den Film gut fand, nun bitteschön erklären würde warum, wäre ich ihm zutiefst dankbar!
Autor: Sven