

Inhalt: Ein mysteriöser Nebel, der die gesamte Landschaft einhüllt, zwingt die Bewohner einer amerikanischen Kleinstadt, sich in ihrem Supermarkt zu verschanzen. Doch die Mauern können den Schutzsuchenden nur scheinbar Sicherheit bieten. Die Ungewissheit, welche Gefahr in den weißen Schleiern auf sie wartet, zerrt an den Nerven der Zwangsgemeinschaft, schürt Angst und Verzweiflung. Panik macht sich breit, schon bald droht die Grenze zwischen äußerer und innerer Bedrohung zu verschwimmen. Im Angesicht des Todes ist sich jeder selbst der nächste und jeder Nächste wird zum erbitterten Feind… (Pressetext: Senator)
Kritik: Frank Darabonts “Der Nebel”, mit Thomas Jane als David Drayton und Marcia Gay Harden als Mrs. Carmody in den Hauptrollen, stellt wohl neben Kubricks “The Shining”, Brian de Palmas “Carrie”, den Rob Reiner Verfilmungen (z.B. “Stand By Me – Das Geheimnis eines Sommers”) sowie Darabonts eigenen King-Verfilmungen (“The Green Mile”, “Die Verurteilten” und “Vergiftet”) eine der wenigen, ja gar seltenen in Anbetracht der schieren Masse (Es sind über 100 Stück!), der Leinwand auch wirklich würdigen Adaptionen, einer Stephen King Geschichte dar. Allein “Das geheime Fenster” von David Koepp und “Zimmer 1408″ von Mikael Håfström könnte man hierbei noch als “zumindest gelungene” Filmversion verstehen, doch entfalten auch diese beiden King’schen Verfilmungen, nicht ein solches Potenzial wie eben oben genannte Filme.
Denn Darabont lässt die gleichnamige Kurzgeschichte “The Mist”, welche erstmals 1985 in der Sammlung “Im Morgengrauen” erschien, nicht wie viele seiner Regiekollegen es bei King-Adaptionen schon so oft taten, zu einer reinen Grusel- bzw. Horrorgeschichte verkommen, sondern hatte bereits schon bei seinen früheren Werken erkannt, dass die Kraft eines King-Stoffes, nicht in den Monstern oder dem Horror an sich liegt, sondern in den Charakteren und deren Verhaltensweisen bei einer Bedrohung von Aussen auf ihre eigene, behütete und sicher geglaubte Welt.
Im Großen und Ganzen hat sich an dieser Herangehensweise des Regiesseurs auch bei “The Mist” nichts verändert, denn was uns in diesem Film geliefert wird, ist weniger ein Horror-, Grusel- oder gar ein Splattermovie, sondern eine geschickte Gesellschafts- und Klassenstudie, welche versucht den Mensch als Wesen an sich, sowohl im einzelnen und auch ganz speziell in der Masse, zu beschreiben, mit all seinen Verhaltens- und Vorgehensweisen, Emotionen, Reaktionen und Handlungen unter bestimmten Situationsbedingungen und den darauf folgenden Konsequenzen auf ihr Leben, ihre weiteren Aktionen und ihre Denkensweisen. Mein Gott, was für ein Satz…
Doch zurück zum Film: Natürlich werden aber auch einige blutdurchtränkte Szenen gezeigt, so das selbst ein Gore-Fan auf seine Kosten kommen dürfte. Leute verbrennen bei lebendigen Leibe, es werden ihnen ganze Fleischbrocken mit Reiß-Tentakeln aus ihrem Körper herausgefetzt und sie werden von riesigen Monstern mit Hummer-Ähnlichen Scherenhänden in kleine Stücke zerhackstückelt, so dass es nur so spritzt und trieft! Allerdings, wird wohl die breite Masse es trotzdem nicht schaffen, sich auf diesen Film richtig einlassen zu können.
Den, wie bereits gesagt, “Der Nebel” dient keinem eigentlichen Horror- bzw. Splattereffekt, sondern stellt, wie z.B. auch bei “Dawn of the Dead” die Zombies es tuen (Und ich meine hierbei das Original von George A. Romero) eine Bedrohung für eine kleine Gruppe von Menschen dar, welche aus ihrer sicher geglaubten Welt herausgerissen wurden und unter völlig neuen, für sie komplett fremden und damit ebenso bedrohenden Bedingungen, sich ihren Weg suchen muss. Romero erschuf mit seinem blutigen Meisterwerk aus dem Jahre 1978, eine perfekte Allegorie auf die Konsumgesellschaft von damals und traf damit genau den Nerv der Zeit, was im übrigen dann eine, bis in die Mitte der Achtziger Jahre anhaltende, Zombiefilmwelle nach sich ziehen sollte.
Romero benutze für seine Gesellschaftskritik keine ausgeklügelten Charaktere sondern besann sich auf realtiv oberflächliche Stereotypen ohne viel Tiefgang. Mit diesen 08/15 Charakteren schaffte er einen, wenn auch nur minimalen, Identifikatonspunkt für einfach Jedermann! Der Zuschauer sollte sich allerdings bei “Dawn of the Dead”, im speziellen, auch weniger mit den Protagonisten indetifizieren können, als mehr das Kammerspiel im Einkaufszentrum bewusst “einfach nur von oben zu beobachten”. Und “The Mist” versucht es ebenfalls mit genau dieser simplen Taktik. Doch ging bei Romero diese Rechnung noch vollends auf, so wirft selbrige dem “Nebel” leider zum Ende einen ganz gewaltigen Felsbrocken in den Weg, welcher dem Film dann leider einen zutiefst unglücklichen Schwachpunkt verpasst. Man könnte sagen: Der Film stellt sich an dieser Stelle selbst ein Bein!
[Spoiler in den nächsten 6 Absätzen!]
Denn die ersten 3 Viertel des Films funktioniert dieses System, denn hier befinden wir uns immernoch mit der Kamera im Supermarkt und dürfen angespannt beobachten, wie Mrs. Carmody innerhalb der Gruppe immer mehr Anhänger für ihr Religions-Geschwurbel finden kann. Dieser Teil des Films zeigt die wirklich extrem realistische und dadurch auch beängstigende Gesellschaftsstudie, und der Zuschauer bekommt (Trotz… Nein sogar genau wegen besagter minimaler Charaktertiefe!) anhand dieser Szenen viele Wahrheiten über das nur allzu menschliche und gleichzeitig auch grausame Verhalten in Notsituation und über Gruppendynamik im allgemeinen vorgeführt. Hierbei dienen die Standart- bzw. Sterotypen Characters sogar der Story da Sie jede gesellschaftliche Randgruppe beinhalten ohne mit zu vielen Nuancen innerhalb eines einzelnen Charakters, sich zu spezialisieren! Jede Gruppe, jede Schicht ist in der Mini-Gesellschaft im Supermarkt vorhanden!
Doch irgendwann, als sich die Situation im Supermarkt in Extreme veräußert, fliehen unsere 5 Protagonisten in einem Jeep. Sie versuchen so weit zu fahren wie Sie es mit dem halbvollen Tank schaffen können, um dem Nebel zu entkommen. Die komplette Auflösung des wirklich fantastisch genialen, ja wirklich grandiosen und vollkommen untypischen Ende sei an dieser Stelle nicht verraten. Jeddoch soll gesagt sein das eben jenes Ende, dadurch das es vorher zu keiner wirklichen Charakterbildung gekommen ist, leider NULL Emotionen erzeugt. Nun werdet ihr sagen dass so etwas wie “Emotionen” in einem “Horrorfilm” nicht vorkommen brauchen, doch werde ich euch wiederrum antworten: A) Das “Der Nebel” wesentlich mehr ist als nur “ein Horrorfilm”, und B) Dieses wirklich fantastische Ende geradezu nach Emotionen schreit!!!
Thomas Jane spielt sich in dieser Szenen geradezu einen Wolf weil er, ebenso wie vermutlich auch Darabont als Regiesseur, um dieses Meisterwerk an Filmkunst weiß, jeddoch nützt all die Genialität des Plottwists und all die schauspielerische Glanzleistung rein GAR NICHTS, wenn man die kompletten 128 Minuten zuvor keine, auch nur halbwegs brauchbare, Charaktertiefe erschaffen hat.
Versteht mich nicht falsch: Der Film braucht in den ersten 3 Vierteln seiner Laufzeit genannte Charaktertiefe auch überhaupt nicht, er braucht ganz im Gegensatz sogar diese Sterotypen um einfach auch wirklich funktionieren zu können, was er ja auch in den ersten 3 Viertel wirklich fantastisch tuet! Jeddoch setzt das wirklich spezielle, äußerst geniale Ende einfach eine wesentlich stärkere Charaktertiefe vorraus, um halt ebenso fantastisch wirken zu können wie der Rest des Films.
Und dabei bleibt dieser, wohlgemerkt zwar einzige, aber dafür eben, auch wohlgemerkt extrem hart zu Buche schlagende Schwachpunkt von “The Mist” auch noch so komplett unverständlich! Denn der Film mit seinen rund 2 Stunden!!! Laufzeit hätte genügend, wirklich genügend, zwar gutes aber im Endeffekt auch sinnloses, Material gehabt, welches einfach hätte gekürzt und mit Character-Building ersetzt werden können! Als Beispiel sei hier nur mal die Vorgschichte mit dem Nachbarn gennant bzw. der Rechtsstreik! Oder aber man hätte vieles Kürzen können um dann die Autofahrt zu verlängern! Das gesamte Character-Building hätte man dann auf besagte Fahrt verlegen können!
Und das Darabon dieses, also Charaktertiefe kreieren, nicht schaffen könnte, glaubt man ihm spätestens seit “The Green Mile” auch nicht mehr, und dass es an Thomas Janes Schauspielfähigkeiten liegen würde glaubt man dann eben genauso wenig, wenn man ihn erst einmal hat spielen sehen, in eben besagter Schlussszene! Wenn ihr den Film selber gesehen habt, so denke ich werdet ihr mich in diesem Punkt zumindest im Ansatz besser verstehen, vielleicht sogar meiner Meinung sein bzw. diese mit mir teilen können!
[Spoiler: Ende!]
Filmtechnisch ist “Der Nebel” relativ konsequent und minimalistisch gehalten. Die Geschichte rund um das kleine Städtchen mit dem Namen (Wie in allen King Geschichten.) “Maine” wurde vom Kameramann Ronn Schmidt in durchgehend rauen und sehr Grobkörnigen, mit viel Düsternis aber auch gleichzeit viel Charme durchtränkten Bildern eingefangen welche sehr wohl ein großartiges Kino- und gleichzeitig Suspensefeeling erzeugen. Gewagte Kamermoves sind bei “Der Nebel” (Gott sei Dank) nicht zu erwarten und der komplette Film bietet durchgehend Sujets und Einstellungen aus der OldSchool!
Aufgrund seines niedrigen Budgets von gerade einmal 18 Millionen $ setzt der Film natürlich keine Maßstäbe was die CG-Effekte der Monster angeht. Für eine US-Fernsehproduktion mittleren Ausmaßes würden die Flatterviecher gerade noch durchgehen aber auf der großen Leinwand merkt man ihnen in wirklich fast jeder Szene die Herkunft aus dem Rechner an! Allerdings wissen ihre fantastischen Designs, welche auf Comic-Legende Bernie Wrightson zurückzuführen sind, vollends zu überzeugen und wenn nachher die Monster nurnoch schemenhaft im Nebel herumtrollen wirken sie auch nicht mehr ganz so billig!
Schauspielerisch ist ebenfalls nicht allzuviel zu erwarten, was aber wie bereits geschildert EIN-DEUTIG an den Stereotypen Chatrakteren liegt und NICHT! etwa an den Schauspielern selbst!!! Bitte also nicht falsch verstehen!
Jeddoch wissen fast alle Beteiligten trotz dieser beengten Charaktere so etwas wie Charme und sogar ansatzweise Leben in ihre Rollen hineinzubringen. Und allein deswegen kann man ihre Leistungen einfach nur hochloben. Insbesondere Thomas Jane (Insbesondere!!! im Schluss des Films einfach nur grandios!!!) und Marcia G. Harden in den Hauptrollen, aber auch Toby Jones als Supermarkt-Angestellter Oliver Weeks und Laurie Holden als weibliche Nebenrolle wissen zwar um ihre schwache Ausgangssituation, zaubern aber dennoch ein wenig Stärke und vorallem Glaubhaftigkeit in ihre Rollen!
Fazit: “Der Nebel” ist weitaus mehr als nur ein typischer Horrorfilm. Er zeichnet sich durch seinen perfekten Anfangs- und Mittelteil aus, welcher ein fantastisches Gruppen- und Gesellschaftsbild erzeugt, das schlicht “beängstigend real” ist. Leider gibts es einen sehr starken Punktabzug, für das zwar Storytechnisch geniale Ende, welches allerdings dann sehr stark unter der, einfach unverständlich für diese Szene, schwachen Charakterbildung leiden muss! Der Film dürfte dennoch ziemlich überraschen und vorallem im Kino für sehr viel Unterhaltung und Suspense sorgen! Vorallem ist es ein Film der die Zuschauer als Masse selbst ziemlich beeinflusst, was z.B. das Verhalten wie Klatschen, Buh-Rufen und Lachen im Saal angeht. Aber dies kann man dann auch nur im Kino selbst erleben.
Also: REIN-GE-HEN Leute, SO-FORT!!!
Autor: Sven