

“Das Grauen… Das Grauen…”
Achja es ist einfach herrlich wenn man zumindest einmal im Leben die Chance hat so ein Meisterwerk wie “Apocalypse Now” dann in voller Pracht, Leinwandfüllend und nur mit ausgewählten Publikum genießen zu dürfen. So geschehen am letzten Sonntag, zusammen mir meiner Freundin, einen paar Bierchen (naja es waren dann doch nur “Alkopops”) und dem geliebten HD-Beamer in unserem Kino…
Was soll ich noch großartig sagen: Wer den Film, oder sogar einfach nur den Titel bereits kennt, der weiß vermutlich schon längst das Francis Ford Coppola`s Meilenstein von 1979 mit einer Starbestzung vom Feinsten, einfach DER Antikriegsfilm (neben “Platoon” von 1986) ist und das Genre zur damaligen Zeit revolutioniert hat. Doch fangen wir am Anfang an…
Inhalt: Saigon im Viatnamkrieg am Ende der sechziger Jahre: Captain Benjamin J. Willard (Martin Sheen) vegetiert komplett heruntergekommen, innerlich vom Krieg schon längst zerfressen und stockbesoffen in einem düsteren Hotelzimmer vor sich hin. Er wartet auf einen Auftrag, einen neuen Befehl. Er muss zurück in den Dschungel, denn ein normales Leben in der Heimat ist für Willard nicht mehr möglich.
Seine Ehe ist bei seiner ersten Rückkehr in die Zivilisation zu Bruch gegangen. Schließlich wird er erlöst und bekommt den ersehnten Auftrag: Er soll Colonel Kurtz (Marlon Brando), einen hochdekorierten Elitesoldaten ausfindig machen und liquidieren, denn Kurtz, ansich ein kultivierter und gebildeter Mann, dem eine Traumkarriere beim Militär bevorstand, hat sich mit seiner Einheit nach Kambodscha abgesetzt und führt dort einen unmenschlichen und jeder Logik wiedersprechenden Privatkrieg.
Gemeinsam mit ein paar Mann soll Willard auf einem kleinen Patrouillenboot Richtung kambodschanische Grenze fahren. Die Reise führt mitten durch das sinnentleerte und durch Perversitäten geprügelte Herz des Vietnamkrieges: Oberst Kilgore (Robert Duvall), der ihm lediglich Begleitschutz geben sollte, lässt mit seiner Helikopterstaffel zu der Begleitmusik von Wagners “Walkürenritt”, ein ganzes Dorf in Schutt und Asche legen nur um surfen zu können. Ein Versorgungsposten, auf den Willard trifft, wird zur Unterhaltung der Truppe per Hubschrauber mit Playboy-Bunnies beliefert und bei der Routinekontrolle einer vietnamesischen Sampa drehen zwei von Willards Männern durch und töten die komplette Besatzung. Die Soldaten des letzten amerikanischen Posten auf den das Boot trifft, sind bis obenhin mit Drogen vollgepumpt und ein befehlshabender Kommandant ist längst nicht mehr auffindbar.
In Kurtz’ Stützpunkt angekommen, einer alten Ruinen und Tempelstadt, findet der Irrsinn schließlich seinen Höhepunkt: Hinter Kurtz’ Handelungen ist keinerlei Logik mehr sichtbar, jedoch ist Willard von Kurtz und dessen “Gottesstatus” fasziniert und es beginnt schließlich ein schmerzhafter Selbstfindungstrip dem Willard droht zu erliegen. Während eines Festes der Eingeborenen metzelt Willard dann Kurtz mit einer Machete brutal nieder und schippert schlußendlich vor dem Hintergrund des Dorfes auf seinem Boot davon.
Kritik: Allein die Introsequenz, untermalt mit der Hintergrundmusik von “The Doors – The End” und der erstmalig angewandten und bis zum Ultimum ausgereizten Soundqualität der damaligen 70mm Stereo Surround-Sound Systeme, verdeutlicht schon die hohe Inzenierungskunst die Coppola in diesem Meisterwerk betrieb.
Langsame Überblendungen die zwischen Sheens Gesicht, dem Ventilator im Hotelzimmer und einer Szenerie vor einer, vom abgeworfenen Napalm der US-Army, angefriffenen und zerstörten Baumreihe die von mehreren Helikoptern umkreist wird, langsam hin- und herblendend und den Zuschauer von Anbeginn packend. Und Willard`s erster Auftritt ist beklemmend und faszinierend zugleich.
Laut der Wikipedia sollen sich hierbei reale Szenen mit fiktiven mischen, denn die Verletzung des herz- und alkoholkranken Schaupielers Sheen, die er sich in der ersten Szene beim Schlag in den Spiegel zufügte, waren echt und nicht zuletzt auch deswegen erst so überzeugend. Solch ein Fakt ist nicht unbedeutend den schließlich sind sogar jene Mythen und Hintergründe die sich um dieses Film ranken fast genauso groß und schwer wie der Film selbst.
Eigentlich beruht “Apocalypse Now” auf den Erzählroman von Joseph Conrad mit dem Titel “Hearts of Darkness” welcher erstmals 1902 erschien und sich aufgrund seines ungewöhnlichen Symbolismus zum Bestseller entwickelte. Die Idee “Hearts of Darkness” zu verfilmen kam schon viel früher und zwar 1939 von Orson Welles, mit sich selbst in der Hauptrolle, jedoch wurde das Projekt schon nach einer Woche aufgrund seiner enormen Kosten, bereits in der Planungsphase wieder eingestellt.
Coppola kam dann schließlich auf die Idee die Geschichte des Buches insoweit zu verändern und die Thematik in den Vietnamkrieg zu verlegen, allerdings zu einer Zeit in der, der Krieg noch in vollem Gange war und kein Major-Studio ein derartiges Werk hätte produzieren wollen. Da er 1969 bereits ein eigenes Label unter dem Namen “American Zoetrop” gegründet hatte und schließlich durch die beiden ersten Teile der “Paten”-Trylogie genügend Geld und Einfluss hatte, beschloss Coppola dann das Projekt selbst zu publishen.
Unter wahnsinnig schlechten, geradezu irrwitzig verrückten Verhältnissen begannen schließlich 1976 die knapp 200 Tage andauernden Dreharbeiten in den Phillipinen und der dominikansichen Republik, bei denen sich insgesamt ca. über 200 Stunden Schnittmaterial anhäuften, Martin Sheen einen Herzinfarkt erlitt und für anderthalb Monate nicht “on set” war, ein Teifun komplette Sets wegfegte und weitere 2 Monate unterbrochen werden musste und auch Dennis Hopper mit einer Infektion ins Hamburger Tropeninstitut gebracht werden musste.
Auch waren eigentlich nicht Martin Sheen sonder Steve McQueen, Al Pacino und sogar Jack Nicholson für die Rolle des Willard vorgesehen, jedoch lehnten alle dankend ab. Danach griff man für einen Monat/eine Woche (Die Angaben varrieren sehr stark) auf Harvey Keitel zurück der dann allerdings doch schlußendlich wegen bzw. für Sheen abgelöst wurde. Doch was noch zusätzlich zu all diesen Trivia dazukam, war das es fast wärend der gesamten Drehzeit auch noch zu Unstimmigkeiten, Auseinandersetzungen und wahnsinnigen Differnzen zwischen der Crew kam.
Brando konnte sich nicht mit Coppola einigen über diverse Dialoge und Monologe im Script und er hatte weder selbiges noch das Buch bei Drehbeginn gelesen gehabt, so dass Coppola Tage damit verbrachte im die Rolle näherzubringen und zu erklären indem er ganze Passagen laut am Set vorlas.
Zudem war Brando fett geworden und träge was die Arbeit nur noch weiter erschwerte und ebenfalls sehr stark vom “dünnen und sportlich” beschriebenen Charakter des Buches abwich.
Es gab Schwierigkeiten mit Laurence Fishburne, da dieser zu Drehbeginn gerade einmal 14 Jahre alt war, Dennis Hopper und Sam Bottom, der Lance B. Johnson verkörpert sowie weitere Darsteller und Crewmitglieder waren fast jeden Tag unter Alkoholeinfluss oder auf harten Drogen. Insbesonders Dennis Hopper hatte schwer zu kämpfen seine Szenen einigermaßen anständig rüberzubringen da er pro Tag mehrere Gramm Koks schniefte und zum runterkommen mindestens eine Flasche Whiskey trinken musste.
All das ging so weit und so tief das Coppola sogar schon ernsthaft über Suizid nachdachte. Coppolas Frau Eleanor filmte den Leidensweg ihres Mannes am Set von “Apocylypse Now” und brachte die komplette Story dann 1991 unter den Titel “Hearts of Darkness: A Filmmakers Apocalypse” heraus.
Fazit: Was “Apocalypse Now” sein will, und was viele Kritiker damals und sogar noch heute einfach falsch verstehen, ist nicht etwa einfach nur einen Antikriegsfilm, sondern ein Film über die ursprüngliche, quintessenzielle Perversität und den Wahnwitz von Krieg an sich und die Auswirkung auf all jene die beteiligt und involviert sind.
Willards Reise durch Vietnam, bezieht sich nicht nur auf Vietnam selbst, obwohl es zweifelsohne wohl DAS amerikansiche Trauma itself ist, sondern auf alle nur vorstellbaren Gruselfratzen die der Krieg zu bieten hat. Kurtz, der komplett durchgedrehte Psychopath der wahllos Menschen tötet, regelrecht hinrichtet oder opfert, am Ende des Flusses ist hierbei nur die geradlinig weitergestrickte Konsequenz einer Reise durch eine komplett aus den Fugen geratene Welt in der wir uns satte 195 Minuten lang befindet.
Coppola bombardiert den Zuschauer regelrecht mit allem was Hollywood zu bieten hat, bricht einen cineastischen Overkill nach dem anderen los um eine fast physisch bemerkbare Grenze des psychisch erduldbaren zu erschaffen, die spätestens bei Kurtz schon längst gebrochen ist. “Apocalypse Now” ist kein Kriegsfilm… Er IST Krieg!!! Und zwar in seiner reinsten Form: Beklemmend, Beängstigend, Weldfremd und Wahnisinnig!!!
Autor: Sven